Daniela Kirchhoff und Andreas Mündl neben einem Starthaus-Rollup
14. Juni 2019

Bist Du bereit, ein Unternehmen zu gründen?

Was macht eine erfolgreiche Gründung aus? Im Interview mit Andreas Mündl und Daniela Kirchhoff über den idealen Start ins eigene Unternehmen und wie das Starthaus-Coachingprogramm seit 20 Jahren dabei hilft.

1998 begann eine Bremer Erfolgsstory: Das Coachingprogramm des Starthauses, bekannt geworden unter dem Namen BRUT, nahm die ersten Teilnehmenden auf. 20 Jahre später kann das Programm auf 229 erfolgreiche Unternehmensgründungen zurückblicken.

Ziel des Coachingprogramms ist es, Gründungswillige, mit Seminaren, Coachings, Einzelgesprächen, Strukturierungshilfen und einer einjährigen Begleitung auf ihre Selbstständigkeit vorzubereiten. Was eine erfolgreiche Teilnahme im Programm ausmacht, darüber haben wir uns mit dem Leitungsteam, Andreas Mündl und Daniela Kirchhoff, unterhalten.

 

Herr Mündl, nachdem Sie mehr als 400 Teilnehmende begleitet haben – was würden Sie sagen ist das wichtigste Persönlichkeitsmerkmal eines erfolgreichen Gründers oder einer Gründerin?

Mündl: Das allerwichtigste ist zunächst die Begeisterung, Leidenschaft und Überzeugung für das eigene Angebot bzw. die Problemlösung. Dass jemand bereit ist, eine Durststrecke durchzuhalten, auf Einkommen zu verzichten, durch Schwierigkeiten durchzugehen. Das Tal der Tränen kommt mindestens einmal in einer Gründungsphase, deshalb muss er oder sie mit Feuer bei der Sache sein!

 

Frau Kirchhoff, aus Ihrer Erfahrung, was fällt jungen Gründerinnen und Gründern am Anfang besonders schwer?

Kirchhoff: Die Zielgruppe zu kennen. Wir sagen immer „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“. Nicht immer sind die eigenen Wünsche das, was der Kunde will. Und dann muss man nachjustieren und eigene Vorstellungen über Bord werfen. Leidenschaft für Kundinnen und Kunden, darum geht es. Dieser Erkenntnisprozess dauert – aber wenn er da ist, ergibt sich vieles andere daraus.

 

Das Coachingprogramm hat verschiedene Bausteine – Teilnehmende erhalten Seminare und persönliche Beratung und es gibt eine finanzielle Förderung. Was ist aus ihrer Erfahrung der wichtigste Aspekt für Gründungsinteressierte?

Mündl: Das hängt natürlich immer vom Vorwissen der Teilnehmenden ab. Für viele ist der strukturierte Rahmen enorm wichtig: Zwölf Monate mit festem Programm und konkreten Aufgaben. Denn als Selbstständiger oder Selbstständige hat man ja keine Vorgaben, keine Vorgesetzten, die einem helfen oder anleiten. Dazu das Wissen um betriebswirtschaftliche Grundlagen, Vertrieb und Akquise.

Kirchhoff: Für die Teilnehmenden ist auch das Netzwerk innerhalb der Gruppe hilfreich. In der Gründungsphase gibt es viele Aufs und Abs. Zu wissen, dass es anderen ähnlich geht, ist eine entlastende Erfahrung. Man kämpft sich gemeinsam durch, wird ein Team und profitiert vom Wissen der anderen.

 

Wie sieht dann ein typischer Coachingprogramm-Durchlauf aus?

Kirchhoff: Das halbjährlich startende Programm ist in fünf Meilensteinen organisiert. Im ersten Meilenstein geht es zum Beispiel um Geschäftsmodelle, Zielgruppen, Marktsituation, im zweiten um die Kalkulation. Am Ende eines Meilensteins steht ein Feedbackgespräch mit uns an, da schauen wir, was gut läuft und geben Tipps, was man noch nachbessern könnte.

Mündl: Zusätzlich bieten wir jeder Coachinggruppe 18 Seminare an, als Ganztags- oder Halbtagsveranstaltungen verteilt auf die zwölf Vorbereitungsmonate. Die meisten davon in den ersten sechs Monaten, damit die Teilnehmenden zu Beginn viel Input erhalten über den sie schnell persönliche, kaufmännische und unternehmerische Kompetenzen erwerben.

Kirchhoff: Wir sind natürlich auch zwischendurch immer zu erreichen, sind Kümmerer, wir helfen während der ganzen Projektphase weiter.

 

Wenn Sie einmal zurückblicken, hat sich in den vergangenen 20 Jahren etwas an den Gründerinnen und Gründern verändert?

Kirchhoff: Ich finde, sie sind schneller geworden. Es gibt viel mehr Möglichkeiten, sich zu informieren, auch online etwa über Youtube, da hat sich das Vorwissen und die Aufnahmefähigkeit verändert.

Mündl: Vor 20 Jahren gab es noch kein Social Media und keine Finanzierungsformen wie Crowdfunding. Dadurch ergeben sich heute für die Gründungswilligen ganz andere Möglichkeiten, vor der eigentlichen Gründung ihre Produkte auszuprobieren, Kunden zu erreichen und sich bekannt zu machen. Gründende kommen heute mit ganz anderen Voraussetzungen zu uns.

 

Hat sich dadurch auch das Coaching-Programm gewandelt?

Mündl: Ja. Lange Zeit war etwa der Businessplan ein zentraler Bestandteil. Die 20 bis 40 Seiten langen Dokumente haben den Gründerinnen und Gründern sehr viel abverlangt. Heute arbeiten wir oft mit dem Business Model Canvas, einer Methode, die es ihnen ermöglicht, Ideen kurz und übersichtlich darzustellen, um damit Investoren und Kunden anzusprechen. Statt monatelanger Vorarbeit geht es nun viel schneller in das eigentliche Arbeiten, was in unserer dynamischen Welt ein Vorteil ist. Und wir haben natürlich auch Qualifizierungs- und Beratungsangebote zur Unterstützung des Online- und Social-Media-Marketings für die Teilnehmenden.

 

Nach Schätzungen scheitern mehr als Dreiviertel aller Start-ups nach drei Jahren– führt das Programm dazu, dass Gründungen erfolgreicher sind?

Mündl: Auf jeden Fall. Wir lassen regelmäßig unser Programm evaluieren. Die Quote der Gründungen im Programm liegt bei 83 Prozent und neunzig Prozent dieser Unternehmen gibt es auch drei Jahre später noch.

Kirchhoff: Wir wollen niemanden mit einer unausgereiften Idee ins Unternehmerleben ziehen lassen. Von daher ist es für uns auch ein gutes Ergebnis zu sagen: „Arbeite nochmal an der Idee, nimm dir noch bisschen länger Zeit!“. Wir legen den Finger in die Wunde. Und wenn die Kalkulation auf Fantasiezahlen beruht, dann sagen wir das. Damit stehen Gründungen innerhalb unseres Programms auf soliden Füßen, das erklärt die hohe Erfolgsquote.

 

Daniela Kirchhoff und Andreas Mündl im Interview
Daniela Kirchhoff und Andreas Mündl haben mehr als 400 Teilnehmende im Starthaus-Coachingprogramm betreut © Starthaus/Jann Raveling

 

Gibt es Schwerpunktbranchen, aus denen die Gründerinnen und Gründer kommen?

Kirchhoff: Der große Vorteil unseres Programms ist, dass Menschen aus vielen verschiedenen Richtungen kommen, vom Kreativen bis zur Wissenschaftlerin. Dadurch ergeben sich Vorteile – die Gründerinnen und Gründer können sich gegenseitig weiterhelfen, vielleicht sogar zusammenarbeiten. Das ist ein großes Plus.

Mündl: Unabhängig vom Thema müssen alle das gleiche machen: Konzepte entwickeln, Qualifizierungen durchlaufen, sich vernetzen, Kontakte knüpfen. Da ist jeder gleich und die Branche egal. Darüber hinaus sind wir gut vernetzt in Bremen. Wenn unser Wissen einmal nicht mehr ausreicht, können wir schnell Expertinnen und Experten hinzuziehen, die bei Fachthemen Input geben können.

 

Welches Projekt ist Ihnen besonders im Kopf geblieben?

Mündl: Natürlich ist jedes für sich einmalig und spannend. Mir persönlich ist Peter Ganten, Gründer der Univention GmbH in Erinnerung geblieben, einer der ersten Teilnehmer im Programm. Er hat es in 2003/2004 mit seinen Linux-basierten Angeboten geschafft, sich gegen den marktbeherrschenden Konkurrenten Microsoft durchzusetzen, das war schon faszinierend.

Kirchhoff: Da muss ich an Doppelpack, eine Wand- und Objektdesignagentur mit zwei sehr kreativen Gründern, denken. Die haben auf ihrem Weg viele Aufs und Abs erlebt. Wir haben gemeinsam viele interne Abläufe verändert und es war wunderbar zu sehen, wie das Geschäftsmodell am Ende Fuß fasste.

 

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Freude?

Kirchhoff: Der Kontakt mit den Menschen. Zweimal im Jahr neue Ideen, neue Themen, mit denen man im eigenen Alltag nicht unbedingt Berührungspunkte hat. Das erweitert den Horizont, man beschäftigt sich automatisch mit neuen Wissensgebieten. Außerdem ist es natürlich spannend die Gründer und Ihre Projekte zu begleiten und zu sehen, wie sie wachsen.

Mündl: Mich begeistert es, das schrittweise Voranschreiten, die Entwicklung der Projekte zu beobachten und zu begleiten. Und nach einem Jahr nochmal zu schauen, wo die Gründerinnen und Gründer im Vergleich zu ihrem Programmbeginn stehen. Wenn ein Geschäftsmodell eine Person finanziell trägt, die Gründerin oder der Gründer vielleicht sogar schon den ersten Arbeitsplatz geschaffen hat, dann macht mich das sehr stolz.

 

Was würden sie neuen Bewerberinnen und Bewerbern mit auf den Weg geben?

Kirchhoff: Das Programm bedeutet Arbeit, die Seminartage, die Aufgabenpakete, das ist nicht für jeden oder jede die ideale Lösung. Aber ein Gespräch mit uns hilft weiter, egal, in welcher Phase der Gründung er oder sie steht. Dieses Feedback erhalten wir immer wieder. Und wenn das Coachingprogramm nicht der richtige Weg ist, dann sagen wir das auch und zeigen Alternativen innerhalb des Bremer Gründungsnetzwerks auf.

Mündl: Ja, wir sind offen für durchdachte Ideen und laden alle zum Gespräch ein! Wir haben keine begrenzte Zahl an Plätzen im Programm sondern verstehen uns als Chancengeber mit Begeisterung für verschiedene Gründertypen und Gründungsprojekte. Eine Kurzbewerbung oder einfach nur ein Telefongespräch reicht, um mit uns in Kontakt zu kommen.

 

Frau Kirchhoff, Herr Mündl, vielen Dank!

 

Die aktuelle Bewerbungsphase läuft noch bis zum 31. August, schicken Sie Ihre Fragen und/oder Bewerbung gern an:

Andreas Mündl
E-Mail: andreas.muendl@starthaus-bremen.de
Tel.  +49 (0)421 9600 – 341

oder

Daniela Kirchhoff
E-Mail: daniela.kirchhoff@starthaus-bremen.de
Tel.  +49 (0)421 9600 – 449

 


Bild oben: Daniela Kirchhoff und Andreas Mündl haben mehr als 400 Teilnehmende im Starthaus-Coachingprogramm betreut © Starthaus/Jann Raveling