Jiani Chen von APP CN
1. Februar 2019

Die Magie von Fahrrädern, Blumenständen und Bücherläden

Jiani Chen ist mit ihrem Start-up App CN in Bremen angekommen

Jiani Chen ist frische Neu-Bremerin. Die quirlige Chinesin gründete in der Hansestadt das Start-up App CN und will jetzt international durchstarten. An Bremen liebt sie, was viele von uns für selbstverständlich halten.

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt“, wenn sie ihr Leben beschreibt, zitiert Jiani Chen gern den berühmten Spruch aus „Forrest Gump“. In China aufgewachsen, lebte die junge Chinesin bis vor einigen Monaten in Tel Aviv und hatte von Bremen bisher nur entfernt gehört. Jetzt arbeitet sie in ihrem eigenen Start-up, hat Mittelmeersonne gegen norddeutsches Schmuddelwetter ausgetauscht.

Für die 24-jährige hat Bremen zahlreiche, liebenswerte Eigenheiten. „Ich liebe die ganzen Fahrradfahrer! Selbst die kleinen Kinder sind schon unterwegs, das gibt es in China so nicht, dort nutzen die Menschen Autos, den Nahverkehr oder Elektroscooter.“ Eine ihrer ersten Anschaffungen war daher auch ein eigenes Rad.

Neben ihrer neu gewonnenen Mobilität genießt sie die Bücherläden der Hansestadt – in China eine Seltenheit, da dort jeder auf dem Smartphone lese. Und auch die Blumenstände am Markt haben es hier angetan. „Die Menschen versuchen hier, schöner und gesünder zu leben als in China“, ist sie überzeugt. „Dort sind Blumen nur etwas für ganz besondere Anlässe.“

 

Jiani Chen mit ihrem Laptop
Ein Laptop ist alles, was sie zum Arbeiten benötigt: Jiani Chen betreut Kunden weltweit © Starthaus/Frank Pusch

Warum die Deutschen Smartphone-Dinosaurier sind

Chen ist Expertin für Apps. In China sowie in Tel Aviv, wo sie ihr Zweitstudium absolvierte, arbeitete sie in der Distribution und Vermarktung von Smartphone-Apps für den chinesischen Markt. Mit ihrem Startup, der App CN GmbH, ist sie nun eigenständig unterwegs.

Ihr Ziel: Westlichen Firmen den Zugang zu einem gigantischen Markt eröffnen. 800 Millionen Chinesinnen und Chinesen gehen täglich mit dem Smartphone ins Internet, zwei Drittel von ihnen zahlen mobil, Bargeld hat ausgedient. „Die Mobilkultur unterscheidet sich deutlich von der in Deutschland. Wir kleben geradezu am Smartphone, machen alles darüber, zum Beispiel bestellen wir im Restaurant über Apps“, sagt die junge Frau, die gebürtig aus Hangzhou stammt, der Millionenstadt, in der auch der größte Internetkonzern Chinas, Alibaba, seinen Sitz hat.

Für Unternehmen aus dem Ausland sei der Mobilmarkt daher ein sehr lukratives Feld, „eine Goldmine“, wie Chen es ausdrückt. Neben dem Start helfe sie auch bei der Promotion – also der Vermarktung von Apps. Denn in dem Riesenmarkt ist die Konkurrenz groß.

 

Hürden überwinden

Der Weg zur erfolgreichen App in China ist alles andere als einfach. Statt eines zentralen Google Appstores, gebe es 200 bis 300 verschiedene, aus denen Nutzerinnen und Nutzer ihre Apps beziehen. Außerdem müssen viele Unternehmen zunächst vor Ort eine eigene Gesellschaft registrieren, um in China eine App zu veröffentlichen. App CN hilft auch da. „Es ist beinahe unmöglich, das im Alleingang durchzuziehen“, erklärt sie.

Und nicht zuletzt sind die kulturellen Unterschiede eine große Hürde. „In China nutzt kaum jemand privat E-Mails. Wer eine App programmiert, sollte daher für die Registrierung zum Beispiel auf einen WeChat-Login setzen“, verrät die Mobilexpertin. „Einmal hatten wir einen Fall, bei dem ein Unternehmen eine App nach China bringen wollte, die das Datenvolumen zählt, was ein Nutzer oder eine Nutzerin im Monat verbraucht. Das hat nicht funktioniert, denn in chinesischen Handys ist diese Funktion von Haus aus dabei.“ Durch eingehende Beratung könnten solche Fehler vermieden werden.

 

Länderübergreifende Zusammenarbeit

Jiani Chen ist eine Einzelkämpferin mit Rückendeckung. Zwar führt sie die Gesellschaft von Bremen aus alleine, aber sie kann bei ihrer Arbeit auf Hilfe von Teams aus Shanghai, Peking und Nanjing zurückgreifen, die zum Investor gehören. „Ich bin gerne beschäftigt und befasse mich mit Neuem, bin abenteuerlustig“, sagt die Chinesin über sich. Sie sucht bereits aktiv nach weiteren Fachkräften regional und überregional, denn die Nachfrage sei groß. Vor allem aus den USA kämen viele Kunden, andere aus Deutschland oder den nordischen Ländern.

 

Jiani Chen im Coworking-Space Rent24
Sie fühlt sich pudelwohl im Coworking-Space Rent24 in der Bremer Innenstadt © Starthaus/Frank Pusch

Start-up-Atmosphäre und Gleichgesinnte finden

Ihr Büro hat sie im Coworking-Space von Rent24 aufgeschlagen. „Ich brauche den Austausch, inspirierende Personen um mich herum, mit denen ich mich unterhalten und diskutieren kann. Der Coworking-Space ist lebendig, hier kommen viele verschiedene Menschen her.“ Den Tipp für die Bürogemeinschaft erhielt sie vom Bremeninvest-Team der Wirtschaftsförderung Bremen. „Wir haben im Vorfeld unserer Entscheidung mit verschiedenen Ansiedlungsagenturen gesprochen. Bremeninvest war die professionellste und zuverlässigste Wahl, das hat uns überzeugt, nach Bremen zu kommen“, sagt sie.

Bereut hat sie den Schritt bisher nicht. Neben ihrer Arbeit lerne sie derzeit fieberhaft Deutsch, auch wenn sie wenig Hoffnung habe, jemals alle Fälle zu beherrschen, erzählt sie lachend. Einzig die Sonne, die fehle ihr, daher warte sie schon sehnsüchtig auf den Sommer.


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Bild oben: Westlichen Firmen den Zugang zum chinesischen App-Markt ermöglichen – das ist das Ziel von App CN © Starthaus/Frank Pusch