24. April 2020

Im Corona-Modus – Wie Gründerinnen und Gründer mit der Krise umgehen

Corona hat das Leben vieler Unternehmerinnen und Unternehmern auf den Kopf gestellt. Läden mussten schließen, Veranstaltungen wurden abgesagt und keiner weiß, wie es weitergeht. Wie meistern Start-ups in Bremen diese Krise, die sie völlig unerwartet getroffen hat? Wir haben nachgefragt.

 

Huddy: Vielen Dank für die Blumen
Seit Januar 2018 schneidert Viktoria Theoharova Kapuzenpullis nach Maß. Als sie ihren Laden wegen Corona schließen musste, stellte die Unternehmen kurzerhand ihre Produktion um.

Viktoria Theoharova; Huddy; WFB

„In dieser ganzen Zeit habe ich zwei Mal geweint. Zum ersten Mal als ich wegen Corona nicht zum Geburtstag meiner Oma nach Bulgarien fliegen konnte und dann nochmal als die Soforthilfe vom Land Bremen auf meinem Konto einging. Ich war so unglaublich erleichtert, weil ich damit meine Ladenmiete und die offenen Lieferantenrechnungen bezahlen konnte. Alle Kosten lassen sich damit aber nicht decken. Ich habe deshalb das Projekt B-O-G-O, also ‚buy one give one‘, gestartet. Für jede selbstgenähte Maske, die meine Kundschaft bei mir kauft, geht eine weitere an Seniorenheime, die Suppenengel oder andere Organisationen. Die bestellten Masken fahre ich selbst aus und die Menschen freuen sich jedes Mal, wenn ich angeradelt komme. Ich bekomme Blumen, Schokolade und Dankes-Mails. Die Bremer sind großartig, was die Unterstützung von Einzelhändlern angeht. Meinen Laden konnte ich wieder öffnen, aber solange Schutzmasken Mangelware sind, werden meine Mitarbeiterin und ich sie weiter nähen.“

Mehr Infos, Huddys und Masken.

 

Gluck Gluck: Auf gute Nachbarschaft
Diane Boldt betreibt seit September 2019 ihren Weinhandel „Gluck Gluck“ in der Neustadt. Bisher setzte sie auf Events und viel Nähe zur Kundschaft. Davon muss die Unternehmerin nun vorerst Abstand nehmen– auch weil sie sich selbst zur Risikogruppe zählt.

Weinhandlung in der Neustadt, Inhaberin Diane Boldt in ihrem Geschäft; WFB

„Seit meiner Kindheit erkranke ich alle paar Jahre an einer Lungenentzündung. Die Angst um meine Gesundheit belastete mich deshalb sehr, als das mit Corona losging. Dazu kam die Sorge ums Geschäft. Die ersten Monate des Jahres sind für Weinhändler ohnehin die umsatzschwächsten. Ich hatte Panik und Zweifel, ob ich das alles hinkriege. Geholfen hat mir – neben der hoffentlich bald eintreffenden finanziellen Unterstützung durch das Land Bremen – vor allem der Support der Kundschaft. So kam zum Beispiel eines Tages eine Kundin in den Laden, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Die junge Frau, Pia, kaufte Wein für 400 Euro, weil sie den lokalen Handel unterstützen wollte. Das hat mich sehr berührt. Für uns Selbstständige ist dieser Support unheimlich wichtig. Das Gefühl, den Leuten wichtig zu sein, hilft bei der Bewältigung einer solchen Krise. Wegen meiner Vorerkrankung habe ich meine Öffnungszeiten eingeschränkt. Nach Corona möchte ich meiner Kundschaft dann wieder näherkommen – dann soll es noch mehr schöne Events im Laden geben.“
Adresse und Öffnungszeiten. 

 

Creative Hub Bremen: Pläne für die Zeit nach Corona
Hachem Gharbi ist Projektleiter bei “Visionskultur” und betreut mit seinen Kollegen den Creative Hub im ehemaligen Bundeswehrhochhaus. Start-ups, Künstler und Kreative arbeiten hier zusammen. Die Zwischennutzung ist bis Ende 2020 befristet. Nun stellt Corona den knappen Zeitplan auf den Kopf.

Hachem Gharbi; Visionskultur

„Wir waren gerade dabei, richtig Gas zu geben. Für jeden Tag war ein anderes Event geplant. Dann kam Corona und wir mussten alles absagen. Am schlimmsten ist das für unsere Community, also die über 70 Projekte im Creativ Hub, die wir jetzt nicht mehr so fördern können wie geplant. Für ein sehr cooles Start-up, das Seife, Olivenöl und andere Produkte aus Syrien vertreibt, hatten wir zum Beispiel Verkaufsstände auf Festivals organsiert. Das fällt jetzt ins Wasser, so wie vieles andere auch. Aber so ist das eben und wir müssen jetzt das Beste draus machen. Wir betreuen unsere Community so gut geht es geht weiter – übers Telefon oder Videokonferenzen. Es ist unglaublich, was wir hier in kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben und wir nutzen jetzt die Möglichkeit, um die für die Zeit nach Corona zu planen. Allen, die uns unterstützen wollen, lege ich die Startnext-Kampagne für unsere Community ans Herz. Alle Erlöse fließen direkt in die Projekte.
Mehr Infos zu Visionskultur.

 

Tizz & Tonic: Stoff für eine gute Sache
Seit drei Jahren betreibt Imke Hanscomb mit ihrer Schwester Yanna das Wäsche-Label Tizz & Tonic in Bremen. Weil die beiden Unterwäsche produzieren, haben sie Stoff und Gummiband auf Lager. Das hilft ihnen nun durch die Krise.

Tizz & Tonic: Jetzt auch im Set

„Wir verkaufen hauptsächlich online, aber auch wir machten uns Sorgen, als wir unseren Laden schließen mussten. Wir fragten uns, wann wir wieder öffnen können, ob wir weiterproduzieren dürfen und ob gerade überhaupt irgendjemand Unterwäsche kaufen will. Zum Glück hatten wir Stoff und Gummibänder vorrätig und konnten direkt mit der Produktion von Stoffmasken starten. Die Nachfrage ist so hoch, dass wir seit März Tag und Nacht daran arbeiten, Masken für unsere Kunden und viele lokale Unternehmen herzustellen. Wir sind ziemlich kaputt, aber auch zufrieden, dass wir eine sinnvolle Lösung für uns gefunden haben. Gerade am Anfang klopften immer wieder ältere Menschen ans Schaufenster, als sie sahen, dass wir drinnen Masken nähen. Das war rührend. Wir haben die Stoffmasken dann oft verschenkt. Den Laden lassen wir vorerst geschlossen, um uns auf die Maskenproduktion zu konzentrieren. Online können die Leute aber nach wie vor Unterwäsche kaufen – jetzt auch im Set mit dem passenden Mundschutz.“
Masken und Unterwäsche, einzeln oder im Set bei.

 

Anna-Lena Töpel: Gründung in der Krise
Anna-Lena Töpel machte sich im Frühjahr 2020 als Texterin und Konzepterin selbstständig. Mit ihrem neuen Business schlitterte sie direkt in die beginnende Corona-Krise. Da es kein Zurück gab, musste es vorwärts gehen.

Anna-Lena Töpel

„Ich wollte vor allem mit Ausstellungskonzepten durchstarten. Museen, Bildungseinrichtungen und viele andere potenzielle Auftraggeber machten aber plötzlich dicht und es ist nicht klar, wann und wie es weitergeht. Geplante Projekte wurden gestoppt, mein Konto leerte sich immer mehr. Das war erst mal ein Schock. Ich konnte mich dann aber schnell wieder fangen. Dabei geholfen haben mir die Gespräche mit dem Starthaus und der Austausch mit anderen Selbstständigen. Wir spielten gemeinsam durch, welche Möglichkeiten es geben könnte. Dazu gehörte auch, welche Bereiche man sich erschließen kann, die von der Krise nicht so stark betroffen sind. So bin ich dann an einen Auftrag als Texterin in einem spannenden Projekt gekommen, das die Themen Bildung und Digitalisierung verbindet. “Darauf wäre ich nicht gekommen, wenn ich mich nicht hätte umorientieren müssen. Für die Zukunft habe ich mir jetzt vorgenommen, mir an einem Tag der Woche Zeit zu nehmen, um mir Gedanken über neue Projekte zu machen – auch in Branchen, in denen ich bisher nicht unterwegs war.“
Mehr Infos.

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Ihr habt Fragen oder benötigt Support in dieser schwierigen Zeit für Unternehmen? Beratung und Unterstützung für Gründerinnen und Gründer in der Krise gibt es hier bei uns beim Starthaus und bei der Task Force der Bremer Aufbaubank.