18. September 2020

Investoren finden als Start-up – 9 Tipps!

Geldgeber und Investoren für junge Unternehmen findet man mit der richtigen Strategie. 

Wer die richtige Investorin oder den Investor findet, erhält weit mehr als nur Startkapital. Denn Wissen und Kontakte sind in vielen Fällen wertvoller als ein dickes Portmonee. Gründerinnen und Gründer finden den richtigen Investor, oder die richtige Investorin, mit Geduld, Offenheit und Neugier. Unsere 9 Tipps:

Tipp 1: Raus in die Welt!
Eduard Andrae hat es geschafft – er hat einen privaten Investor für seine Idee gefunden. Der 54-jährige ist Gründer des Portals trusted-blogs und kann sich jetzt ganz auf seine Webseite konzentrieren. „Ich habe mich auf Internet-Portalen umgesehen und Veranstaltungen für angehende Gründer besucht, um wichtige Informationen zu sammeln. Dabei konnte ich gleichzeitig potentielle Partner auf mich aufmerksam machen“, sagt Andrae. Wichtig sei ihm dabei, dass es in der Verbindung zwischen Geldgebenden und Gründenden um mehr ginge, als nur das Finanzielle: „Es muss menschlich passen, damit ein Start-up auch von den Kompetenzen des Investors profitieren kann.“ Damit liegt er genau richtig. Wer Financiers finden will, muss raus in die Welt. Es geht um große Mengen Geld und langjähriges Engagement – da möchten Investoren wissen, mit wem Sie es zu tun haben. Hätten Sie viel Geld zu vergeben, würden Sie es nicht auch eher einem guten Freund oder vertrautem Bekannten in die Hand drücken, als völlig Fremden? Kontakte zu pflegen und aufzubauen ist das A und O. Wo man Investoren kennenlernt, dazu später mehr.

Tipp 2: Investorinnen und Investoren finden, das geht nur mit Geduld und Selbst-Reflektion
Carsten Meyer-Heder ist Investor von trusted-blogs und Geschäftsführer der Bremer Digitalagentur team neusta in der Bremer Überseestadt. Mehrere junge Digital-Start-ups unterstützt er mittlerweile und ist damit einer der wichtigsten Investoren in der kleinen Hansestadt. Für junge Start-ups hat er eine ganze Reihe an Ratschlägen parat, worauf sie bei der Investorinnen und Investorensuche achten sollten. „Gründende müssen zunächst wissen, was sie selbst wollen: eine langfristige Partnerschaft oder nur eine kurzfristige Geldspritze?“, so der Investor. Bei letzterem sei die Person des Investors eher egal. Für den Großteil der Start-ups ist eine richtige Partnerschaft aber vielversprechender. Vor allem, wenn sie erst ganz am Anfang ihres Gründungsvorhabens stehen.

 

Sie suchen einen Investor? Hier finden Sie Tipps für Ihr Startup.

Exkurs: Branchennah Investoren suchen
Hilfreich sei in jedem Fall ein Financier aus derselben Branche, denn dieser bringt neben fachlichem Wissen Marktkenntnis ein und kann den Zugang zu diesem deutlich erleichtern. So knüpft er oder sie wichtige Kontakte oder führt in Netzwerke ein, beides entscheidende Erfolgsfaktoren für junge Start-ups. Außerdem kann er oder sie Fachkräfte vermitteln, denn nicht jedes Start-up hat Expertinnen und Experten für jeden Bereich – von der Technologie, über das Marketing, den Vertrieb bis hin zur Projektorganisation. Start-ups brauchen Know-how auf vielen Gebieten und das in einem Team, das bestens aufeinander abgestimmt ist.

 

 

Tipp 3: Der eigenen Intuition vertrauen
„Am Ende muss die Chemie zwischen Finanzier und Gründerin und Gründer stimmen, deshalb empfehle ich, eher ein Familienunternehmen zu finden, als den klassischen Risikokapitalgeber“, sagt Meyer-Heder. Denn ersteres hat neben einem Return-of-Invest noch weitere Interessen und ein persönliches Engagement in der Branche. Schwarze Schafe gibt es auch unter den Investorinnen und Investoren, eine gute Recherche und ein intensiver Blick auf alle Verträge sind deshalb unablässig. Besonders dann, wenn es um die Höhe des Unternehmensanteils geht, der als Gegenleistung auf den Financier übergeht. Mehr als ein Start-up musste bereits mitansehen, wie die Entscheidungsgewalt über die eigene Firma weg war.

Tipp 4: Perspektivwechsel einnehmen
Welches Interesse haben Investoren an meiner Idee? „Es gibt ganz verschiedene Arten von Geldgebenden – ob Business Angel, Venture Capital, Acceleratoren und Inkubatoren. Jeder setzt seine eigenen Schwerpunkte, deshalb müssen sich Gründenden sehr gut mit der Materie auseinandersetzen“, sagt auch Sylvia Neumann vom Starthaus Bremen. Ein Perspektivwechsel ist dabei hilfreich: Welches Interesse hat der zukünftige potentielle Partner an der eigenen Idee? Welche Argumente könnten ihn überzeugen? Diese Fragen können im Pitch entscheidend sein. „Es geht nicht darum, als Bittsteller aufzutreten, sondern als eine Geschäftspartnerin oder -partner, der Chancen und Perspektiven bietet. Das muss im Pitch klar werden. Auf die Finanzfrage sollten Start-ups bei einer Präsentation deshalb als letztes eingehen – und sich selbstbewusst verkaufen“, so Neumann.

Tipp 5: Ein Netzwerk aufbauen und Investorinnen und Investoren finden
Wie man zu einem Pitch kommt, da die Bremer Experten überein: am besten über jemanden, der die Investorin oder den Investor kennt, über Netzwerke. Und die baut man sich am besten auf, indem man in das Start-up-Ökosystem der Stadt eintaucht, an Veranstaltungen teilnimmt oder auch mal bei der Wirtschaftsförderung nachfragt. In Bremen gibt es zum Beispiel jede Menge regelmäßige Veranstaltungen dazu. Welche das sind, listet das Starthaus Bremen auf. Los geht es auf www.starthaus-bremen.de. Weitere Möglichkeiten, nach Netzwerken und Chancen zu suchen gibt es an diversen Stellen im Netz. Dabei kommt es stark auf den Aufenthaltsort an. Denn: Jede Stadt ist anders. Jedes Netzwerk ist anders und was auf der einen Seite funktioniert, ist woanders ein No-Go. Es gilt, Fingerspitzengefühl zu beweisen. Gute Anlaufstellen sind auch lokale Ableger überregionaler Netzwerke. So gibt es in fast jeder Stadt Business Angels-Chapter oder Vereinigungen der Wirtschaftsjunioren. Universitäten mit Gründerlehrstühlen oder Förderprogrammen für Unternehmenstarter haben viele Tipps parat. Auch Branchennetzwerke sind eine gute Wahl – nicht nur um Investorinnen und Investoren zu finden, sondern auch potenzielle Geschäftspartnerinnen und -Partner oder gar neue Kundinnen und Kunden. In Bremen zum Beispiel das Netzwerk Bremen Digitalmedia für die IT-Branche.

Tipp 6: Im Schlaf die eigene Idee vorstellen
Ein Vortrag vor Investorinnen und Investoren wird auch „Pitch“ genannt. Pitches können viele unterschiedliche Formen haben. Ob offizielles Pitchingevent mit festgelegter Redezeit oder eine 20-Sekunden-Fahrstuhlpräsentation – alles ist drin. Für Gründerinnen und Gründer heißt das: Sie müssen ihre Story in ganz unterschiedlichen Formaten parat haben. Die Gründungsidee muss immer klar und authentisch rüberkommen. Wichtig ist es, die Investorin oder den Investor zu packen, ihn mitzureißen, damit er bereit ist, das Wagnis einzugehen. Dabei spielen sowohl weiche als auch harte Faktoren eine Rolle. Weiche Faktoren sind das Vertrauen, die Kompetenz und die Leidenschaft, welche die Gründer mitbringen. Aber Marktdaten, Rendite oder Unternehmenswerte dürfen nicht vergessen werden.

Tipp 7: Das richtige Pitchdeck
Ein Pitchdeck ist im Grunde genommen eine Unternehmenspräsentation mit gewissen Extras. Sie dient dazu, auf Pitchingevents das Unternehmen kurz und bündig vorzustellen. Oder interessierten Personen eine schnellen Überblick zu geben, der einfach per Mail versandt oder persönlich übergeben werden kann. Es besteht aus zehn bis zwölf Folien, welche die Idee, das Team, den Markt und die Chancen beschreiben. Aber das ist kein Muss, auch ein Pitch ohne Medien kann funktionieren, wenn man nicht gerade ausgiebig Zahlen vorstellen muss. Letztlich zählen Story und Person – Medien sind immer nur Mittel zum Zweck, um die Geschichte zu erzählen.

Tipp 8: Investor finden oder Kreditgeber?
Ist eine Investorin oder ein Investor überhaupt das Richtige? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Denn es gibt auch Haken: Financiers wollen in der Regel Unternehmensanteile haben – und je nach Verhandlungsgeschick – nicht zu knapp. Damit einhergehend kommt oft auch ein Mitspracherecht, die Einsetzung als Mitgeschäftsführung und natürlich der Wunsch nach Beteiligung an der Gewinnausschüttung. All das muss kein Nachteil sein – Gründende sollten sich dessen aber bewusst werden. Natürlich gibt es immer noch die klassische Form der Kreditfinanzierung über eine Förderbank, eine echte Alternative zu Risikokapitalgebenden. Denn auch hier gibt es Mischformen, etwa Bankbeteiligungen, also quasi Bank-Venture Capital. Sie können für junge Gründende oft vorteilhaft sein, denn Förderbanken haben ein großes Interesse an wirtschaftlichem Erfolg des Unternehmens und können viel finanzielles Know-how beisteuern. In Bremen gibt es zum Beispiel Programme der BAB – Die Förderbank für Bremen und Bremerhaven. Bundesweit gibt es verschiedene Programme, etwa der KfW-Bank. Ein weiteres Beispiel ist der Hightech-Gründungsfonds.

Tipp 9: Wie schnell finde ich einen Investor?
Investorinnen- und Investorensuche dauert. Denn es geht hier um persönliche Kontakte und die wollen aufgebaut und gepflegt werden. Vertrauen kommt nicht von heute auf morgen. Wer sich auf Suche begibt, muss daher einen langen Atem einplanen: Sechs bis zwölf Monate sind ein guter Richtwert. Das heißt natürlich auch, dass die eigenen Finanzmittel so lange halten müssen. Gute Planung ist entscheidend! Investorinnen und Investoren sind keine Retter, die einen aus der finanziellen Bredouille helfen, sie sind Partnerinnen und Partner, mit denen zusammen Investitionen ins Unternehmen, in die eigene Idee, möglich werden. Das bedeutet, sich frühzeitig auf die Suche nach Finanzquellen zu begeben, denn werden die Mittel plötzlich knapp, ist es möglicherweise schon zu spät.

Zusammengefasst: Top 9 Tipps Investorinnen und Investoren finden
Ganz schön viel zu beachten! Deshalb hier nochmal unsere Checkliste:

Tipp 1: Raus in die Welt! Von selbst kommen keine Investorinnen und Investoren auf eine Gründerin oder einen Gründer zu. Klappern gehört zum Handwerk! Redet über eure Idee an möglichst vielen Stellen, mit möglichst vielen Menschen. Kommt in die Medien, auf Social Networks!

Tipp 2: Geduld und Selbst-Reflektion Werdet euch im Klaren, was ihr wirklich wollt. Was woll die Investorin oder der Investor euch bieten? Nur Geld oder braucht ihr Know-how?

Tipp 3: Der eigenen Intuition vertrauen Die Aussicht auf Geld ist verlockend. Aber nicht alles glänzt. Holt euch Informationen, zweite Meinungen ein!

Tipp 4: Perspektivwechsel einnehmen Welches Interesse hat die Investorin oder der Investor an meiner Idee? Welches Interesse hat ein Geldgebender an eurer Idee? Wieso sollte er investieren? Was sind die harten Fakten, wie wollt ihr Geld verdienen?

Tipp 5: Ein Netzwerk aufbauen Lernt die richtigen Menschen kennen. Besucht Veranstaltungen, schaut euch an, was eure Stadt zu bieten hat!

Tipp 6: Im Schlaf die eigene Idee vorstellen können Unverhofft kommt oft. Ihr müsst jederzeit über eure Idee reden können, ob kurz oder lang.

Tipp 7: Pitchdeck vorbereiten Bereitet ein Pitchdeck vor und zeigt es herum. Nehmt Feedback auf und verbessert euch!

Tipp 8: Investor finden oder Kreditgeber? Nicht immer sind Risikokapitalgeber die richtige Wahl. Gibt es Alternativen? Was haben die zu bieten?

Tipp 9: Zeit einplanen Es geht um Geld, aber es geht nicht um eure Existenz. Macht euch bewusst, dass es sehr lange dauern kann, bis ihr Mrs. Right oder Mr. Right gefunden habt.

 


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Titelbild: Hände schütteln ist wichtig. Nicht vergessen! In Coronazeiten aber eher im übertragenen Sinne!