17. Oktober 2019

Mit „Gluck Gluck“ ins Glück

Die Bremer Neustadt entwickelt sich seit einigen Jahren zum Szenestadtteil, der mit kleinen und feinen Fachläden glänzt – wie Diane Boldt mit ihrem Weinhandel „Gluck Gluck“ beweist.

Wer den schmalen Laden im Buntentorsteinweg 58 von früher kennt, dürfte seinen Augen kaum trauen. Bis zum Sommer 2019 beherbergte die Ladenzeile im Bremer Stadtteil Neustadt noch ein Reformhaus, in dem sich Bio-Dinkel und Aloe-Vera-Creme dicht an dicht stapelten.
Das ist jetzt anders. Blanke Wände, schmucke Regale, Originalfliesen aus der Gründerzeit – die Räume von „Gluck Gluck“ haben eine radikale Abspeckkur hinter sich, die ihnen gut steht. Die minimalistische Einrichtung hebt die edlen Tropfen in den Regalreihen umso deutlicher hervor.

Jeder Wein hat seine Persönlichkeit
Und genau das war auch das Ziel von Inhaberin Diane Boldt. „Als ich sah, dass der Laden zur Vermietung stand, habe mich auf der Stelle verliebt! Ich mag es, Altes zu erhalten und habe deshalb versucht, viel vom ursprünglichen Zustand aus der Gründerzeit zu bewahren“, berichtet die Gründerin.
Und hat dabei einen weitreichenden Entschluss gefasst: Selbstständig zu werden. Boldt ist eigentlich gelernte Fotografin, arbeitet aber schon seit Jahren in der Weinbranche. Die Liebe zum Schönen begleitet sie so ihr Leben lang – ob fürs Auge oder für die Zunge.

Für jeden Geschmack der passende Wein – fas ausschließlich in Bio, Bild: Starthaus/Raveling

Im „Gluck Gluck“ setzt sie fast vollständig auf Bioweine, allesamt aus Europa. Überseeweine hätten einen zu großen ökologischen Fußabdruck, sagt sie. „Es hat schon fast etwas Intimes, Wein zu verkaufen, es geht um persönliche Vorlieben, um Stimmungen, Emotionen. Ich möchte meine Kundinnen und Kunden kennenlernen und ihnen so den idealen Wein empfehlen!“, so die 40-jährige.

Buntentorviertel auf dem Vormarsch
Die Bremer Neustadt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Stadtteil entwickelt. Davon profitiert auch der am östlichen Rand gelegene Ortsteil Buntentor, in dem Diane Boldt ihren Laden eröffnet hat.
„Ich lebe seit 24 Jahren im Buntentor. Es kommen viele junge Leute hier, die gesamte Neustadt ist im Aufbruch und belebt sich, auch das Buntentorquartier. Die Menschen sind sehr offen“, freut sie sich.
Bereits fünf Wochen nach Eröffnung ihres Ladens ist sie dabei, sich im Quartier ein Netzwerk aufzubauen. So arbeitet sie mit Sven Odens von der „Buchhandlung Buntentor“ eng zusammen, oder mit dem nahen Einzelhandel.
„Wir wollen gemeinsam zeigen, was das Buntentor zu bieten hat“, so die Einzelhändlerin. Regelmäßig plant sie Events wie Weinproben und Foodpairings, bei denen sie zusammen mit einem Feinkostladen Wein und Essen anbietet. „Das gehört heute dazu, ohne Events geht es als spezialisierte Einzelhändlerin nicht mehr.“

Unter die Arme gegriffen
Boldt liebt es, zu verkaufen – Menschen kennenzulernen, sie zu beraten, ihnen weiterzuhelfen – „man gibt und nimmt“, sagt sie dazu.
Auch wenn die Entscheidung, einen eigenen Laden aufzumachen und selbstständig zu werden schnell fiel, leicht war sie nicht: „Natürlich hatte ich Bedenken, Sorgen, ich glaube, das ist ganz normal für jeden, der gründet“, so die Weinliebhaberin. „In den ersten Wochen gibt es so viel zu tun, man ist innerlich angespannt, selbst wenn alles glatt läuft.“

Neben Wein gibt es auch Sekt sowie eine kleine Auswahl an Spezialitäten wie Liköre und Schnäpse sowie Feinkost. Bild: Starthaus/Raveling

Eine Stütze in dieser Zeit war das Starthaus. Das half ihr mit einem Mikrokredit, den sie für Renovierung, Einrichtung und Ausstattung verwendete. „Der Kontakt war super und die Beraterinnen und Berater haben mich kompetent informiert und mir bei Fragen weitergeholfen.“

Persönliche Vorlieben und ein gelungener Start
Aus ihrem Angebot einen Lieblingswein auszuwählen, das fällt der Weinliebhaberin schwer. Nach kurzem Überlegen antwortet Boldt aber dennoch: Die Weine aus dem norditalienischen Piemont hätten es ihr angetan, da sie mit ihnen besondere Erlebnisse vergangener Dienstreisen verbinde. „Außerdem liebe ich filigrane Weine, mit leichten Ecken und Kanten“, schwärmt sie.
Mit den ersten Wochen nach ihrer Eröffnung im September ist sie zufrieden und freut sich nun auf die ersten Events im Herbst. Es bleibt also kein Zweifel – für Boldt ist „Gluck Gluck“ auch in bisschen „Glück Glück“.

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