Frau schreibt in ein kleines Notizbuch am Schreibtisc
15. April 2021

Wie gründe ich ein Sozialunternehmen?

Was sind Social Entrepreneure und was unterscheidet Sozialunternehmen von klassischen Unternehmen? Wollt ihr selbst eines gründen oder euer Business in eine soziale Richtung lenken? Wir geben euch einen Überblick.

Im Rahmen unseres Programms Social Entrepreneur by Starthaus bieten wir euch neben qualifizierten Beratungen auch jede Menge Workshops. In einem dieser Workshops erklärte Hanna Ehlert vom Social Impact Lab Bremen alles zum Thema Sozialunternehmen, welche Geschäftsmodelle es gibt und wie ihr ein eigenes Sozialunternehmen gründen könnt. Ihr habt den Workshop verpasst? Kein Problem! Wir fassen für euch die wichtigsten Infos zusammen.

 

Was genau sind Sozialunternehmen und Social Entrepreneure?

Hanna Ehlert im Portait
Hanna Ehlert – Trainerin und Beraterin beim Social Impact Lab © Social Impact gGmbh

Klassische Unternehmen haben ein formales Ziel: (maximalen) Gewinn erwirtschaften. Natürlich haben diese Unternehmen noch weitere Ziele, aber die Gewinnmaximierung steht bei ihnen im Vordergrund. Das muss teilweise auch so sein, damit sie bewertet werden und zum Beispiel Aktien ausgeben können. Im Gegensatz dazu setzen sich Sozialunternehmen Sachziele, oft sogar mehrere. Diese Ziele können sich aus den Social Development Goals, die wir euch in unserer Mini-Serie vorgestellt haben, ableiten. Hierbei geht es darum, soziale oder ökologische Probleme zu lösen. Dieser Erfolg ist deutlich schwieriger messbar, da die Sachziele eher qualitativ als quantitativ sind. Wie man ihre Wirkung messen und kommunizieren kann, dazu gibt es Hilfestellung in einem weiteren Workshop vom Starthaus und Social Impact Lab Bremen.

Auch klassische Unternehmen können sich über ihre gesetzlichen Pflichten hinaus gesellschaftlich engagieren. Dann sind sie sogenannte CSR-orientierte Unternehmen. CSR steht für Corporate Social Responsibility, also die soziale Verantwortung des Unternehmens.

Und was macht nun Social Entrepreneure aus? Entrepreneure sind die Unternehmer:innen, die Innovationen entwickeln, den Markt verändern und oft ein hohes persönliches Risiko eingehen. Bei den Social Entrepreneures ist es so, dass die Produkte und Dienstleistungen, die sie anbieten, sich positiv verändernd auf die Gesellschaft auswirken. Sie adressieren zum Beispiel ungelöste soziale und/oder ökologische Probleme, garantieren finanzielle und ökonomische Nachhaltigkeit, handeln umweltverantwortlich und zahlen angemessene und marktgerechte Gehälter.

Klassische Sozialunternehmer:innen, wie beispielsweise Wohlfahrtsorganisationen, haben die gleichen Ziele wie Social Entrepreneure, entwickeln jedoch in der Regel keine innovativen Dienstleistungen oder Produkte.

 

Eine Übersicht über die verschiedenen Unternehmenstypen
Eine Übersicht über die verschiedenen Unternehmenstypen © Social Impact gGmbh

 

Soziale Geschäftsmodelle erkennen

„Ein soziales Geschäftsmodell zeichnet sich dadurch aus, dass es sich auf die Lösung eines gesellschaftlichen Problems bezieht, das durch privatwirtschaftliche oder staatliche Leistungsangebote nicht oder nicht hinreichend adressiert wird“, erklärt Hanna Ehlert, Trainerin und Beraterin beim Social Impact Lab Bremen. Bei sozialen Geschäftsmodellen gibt es einerseits Social Business-Angebote, die sich über den klassischen Markt refinanzieren, und andererseits die Social Entrepreneurship-Modelle.

Geschäftsmodelle aus dem Bereich Social Business sind marktorientiert und treten beispielsweise in folgenden Bereichen auf:

  • Überlegene Benachteiligung: Man schaut sich an, welche besonderen Kompetenzen eine bestimmte benachteiligte Zielgruppe hat und wie man diese am Markt nutzen kann.
  • Regionale Wertschöpfung: Wie können regionale Produzent:innen ihr Produkte vermarkten und was haben die Verbraucher:innen davon?
  • Kooperative Wertschöpfung: Eine Shared Economy soll durch kooperative Strukturen entwickelt werden.
  • Nachhaltige Wertschöpfung: In diesem Modell versuchen die Unternehmen, die Emissionen, die Verpackung, den Transport und weitere negative Umweltauswirkungen der Wertschöpfungskette zu reduzieren.
  • Re-/Up-Cycling: Wie kann man aus Müll oder anderen Abfallprodukten neue Produkte schaffen?
  • Ressourcen für Social Impact: Wie kann man durch die eigene unternehmerische Tätigkeit Ressourcen (in Form von Geld, Produkten oder Dienstleistungen) für den guten Zweck zur Verfügung stellen?
  • Inklusionsunternehmen: Dieses Modell schafft Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen, die körperlich oder psychisch Unterstützungsbedarfe haben.

Social-Entrepreneurship-Modelle sind gesellschaftsbezogen. Ein Geschäftsmodell ist hier der „doppelte Kunde“. Social Entrepreneure suchen Wege, ihre Leistungen, für die es keine zahlungskräftigen Kund:innen am Markt gibt, über Fördermittelgeber:innen oder staatliche Gelder zu finanzieren. So können Bildungs- oder Partizipationsformate für (benachteiligte) Zielgruppen mit den finanziellen und personellen Ressourcen von Dritten angeboten werden. Die Herausforderung liegt hier darin, dass es zwei Kund:innen und unterschiedlichen Interessen gibt: Die Personengruppe, die die Leistung in Anspruch nimmt, und die Organisationen, die für die Leistungen bezahlen. Es muss also herausgefunden werden, welche Bedarfe die Zielgruppen haben und was der Nutzen für den:die jeweilige:n Geldgeber:in sein kann.

 

Unterschiede zu konventionellen Gründungen

Gründende haben unterschiedliche Motivationen und Absichten, warum sie sich selbstständig machen wollen. Bei Social Entrepreneurs ist der stärkste Treiber der Wunsch, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten und sie so zu verbessern. Finanzielle Motive stehen oft hinten an. Dadurch unterscheiden sich auch die Kennzahlen, um den Erfolg zu messen. Bei Social Entrepreneurs geht es weniger um betriebswirtschaftliche Kennzahlen, sondern vielmehr um die gesellschaftliche Wirkung.

Zu Beginn einer Selbstständigkeit müssen die Gründenden ihre Rechtsform festlegen. Social Entrepreneure wählen oft entweder einen gemeinnützigen Rahmen oder kombinieren eine gewerbliche und gemeinnützige Rechtsform. Auch bei der Finanzierung setzten sie auf verschiedene alternative Finanzierungsinstrumente, wie Crowdfunding, Spendenmodelle und Stiftungsfinanzierung, da ihnen konventionelle Finanzierungen oft nicht zur Verfügung stehen.

 

Die sechs Entwicklungsstufen eines Sozialunternehmens

Ein Unternehmen zu gründen, ist oft ein langer Weg. Mit dem richtigen Fahrplan kann er jedoch leichter gestaltet werden. Hier sind sechs Schritte, die den Weg zur erfolgreichen Gründung eines Sozialunternehmens vereinfachen soll:

 

  1. Problemidentifikation und Motivation:
    Zuerst sollten sich Gründende fragen, welches soziale oder ökologische Problem gelöst werden soll und wer unmittelbar oder mittelbar betroffen ist. Auch sollten sie sich fragen, was geschieht, wenn das Problem nicht gelöst wird.
  2. Status-Quo-Analyse und Ideen entwickeln:
    Danach müssen die Gründer:innen prüfen, ob sich schon andere mit der Problemlösung beschäftigt haben. Existieren bereits erfolgreiche Lösungsansätze? Warum bedarf es trotzdem einer anderen Strategie? Außerdem sollten sie sich fragen, warum gerade sie geeignet sind, dieses Problem zu lösen. Welche Kompetenzen haben sie selbst und mit wem könnten sie kooperieren?
  3. Geschäftsmodell entwickeln und testen:
    Anschließend prüfen die angehenden Sozialunternehmer:innen die verschiedenen Geschäftsmodelle darauf, welches am besten zu ihrem Lösungsansatz passt. Ein gutes Tool hierfür ist das Social Business Model Canvas.
  4. Gründungen und Finanzieren:
    Jetzt ist es soweit! Die Gründung steht kurz bevor. Jetzt heißt es unter anderem folgende Punkte zu klären: Gesellschaftsrechtliche und steuerliche Aspekte, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Organisations(entwicklungs)aspekte sowie der Zugang zu Startkapital und das Finanzierungsmodell.
  5. Etablieren und Verstetigen:
    Wie können sich die Sozialunternehmen am Markt etablieren? Welche Rückmeldungen gibt es vom Markt? Sind die Kund:innen zufrieden? Wie muss das Geschäftsmodell angepasst werden?
  6. Wachsen und Skalieren:
    Jetzt geht es darum, ein gesundes Wachstum für das Sozialunternehmen zu fördern.

 

Der Weg mag manchmal steinig sein, aber er lohnt sich. Solltet ihr bei einem eurer Schritte Fragen haben, könnt ihr gern auf uns zukommen. Wir helfen euch gern weiter und haben entweder selbst die Antworten oder vermitteln euch in unserem Netzwerk an die richtigen Stellen weiter.


Wenn auch ihr eine Gründungsidee habt, die sozial oder ökologisch nachhaltig ist, und ihr etwas bewirken wollt, dann meldet euch gleich bei uns. Wir bieten mit unserem Programm Social Entrepreneur by Starthaus genau die Bausteine an, die ihr für euren Erfolg benötigt. Alle Informationen zu Social Entrepreneur by Starthaus findet ihr hier.