5. Juni 2020

Wege aus der Krise

Viele Geschäfte, Restaurants und Freizeiteinrichtungen öffnen wieder – mit Auflagen und Abstand zur Kundschaft. Wir haben drei Gründerinnen und Gründer gefragt, wie der Neustart gelaufen ist und ob sie sich trotz Krise trauen, Pläne für die Zukunft zu schmieden.

Große Pläne: Boulder Base Bremen

Auf 1200 Quadratmetern und an über 5.000 Kletterpunkten können sich Sportbegeisterte in der Boulder Base Bremen entlanghangeln. Vor der Krise waren im Schnitt etwa 100 Kletterinnen und Kletterer zeitgleich in der Halle, nun sind es wegen der aktuellen Bestimmungen nur noch etwa die Hälfte. Martin Pleßa ist einer der beiden Geschäftsführer der 2015 gegründeten Boulder Base Bremen. Der 31-Jährige hat uns erzählt, wie tief die Einschnitte für sein Unternehmen sind und wie er als Kletterer mit der Krise umgeht.

BoulderBase Bremen

 

„Wir haben sehr viel in die Boulderhalle investiert und waren gerade dabei, die ersten richtigen Gewinne einzufahren. Dieses Jahr wären wir also zum ersten Mal auf einen grünen Zweig gekommen. Dass wir die Halle wegen Corona für 65 Tage schließen mussten, hat uns finanziell um zwei Jahre zurückgeworfen. Und wer meint, dass wir jetzt nach der Öffnung wieder Geld verdienen, liegt leider falsch. Die Einnahmen durch Kurse, Geburtstagsfeiern oder Firmenevents fallen weiterhin weg. Die brauchen wir aber, um eine solche Halle wirtschaftlich zu betreiben.

Kaufmännisch betrachtet gibt es also nichts zu beschönigen. Wir hoffen aber, dass das nicht mehr lange so weitergeht und lassen uns nicht entmutigen. Als das mit Corona losging, waren wir gerade dabei unsere Halle zu erweitern. Wir wollten die größte Boulderhalle in Norddeutschland werden und das wollen wir immer noch. Unsere Rücklagen haben wir wegen Corona aufgebraucht, das heißt, wir sind jetzt stärker auf Fremdkapital angewiesen. Sollte die Bank in dieser Situation nicht mitspielen, versuchen wir irgendwie anders.

 

Was ich anderen Gründerinnen und Gründern rate? Verliert den Mut nicht. Bei uns Kletterern steckt das so drin. Wir suchen nicht nach Problemen, sondern arbeiten an Lösungen. So machen wir das auch in dieser Krise. Wir bewerten die Situation jeden Tag neu und schauen, was geht. Außerdem lasse ich mir die Freude nicht nehmen, auch das steckt bei mir so drin – schließlich bin ich gebürtiger Kölner.“

Fisch jetzt auch auf die Hand: „Fisherman´s Seafood“
Seit 2015 betreibt Cathrin Bußler das „Fisherman´s Seafood“ in der Polizeistation am Wall. Die gelernte Hotelfachfrau beschäftigt elf Festangestellte und sechs Aushilfen. Sie alle gingen in Kurzarbeit, als das Restaurant wegen des Coronavirus schließen musste. Nun ist Bußler mit ihrem Team wieder da. Uns hat sie verraten, wie sie die Zwangspause verbracht hat und warum sie ihren Laden trotz allem vergrößert.

„Wir mussten acht Wochen lang schließen. In dieser Zeit war ich jeden Tag von morgens bis abends im Restaurant. Ich habe mir eine To-Do-Liste an die Tafel geschrieben und abgearbeitet. Unter anderem habe ich die Speisekarte erneuert, die Wände gestrichen und Desinfektionsspender aufgestellt. Ich habe den Laden komplett auf links gedreht. Mein oberstes Ziel war es, alle meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten. Um dieses Ziel zu erreichen, wollte ich mich so gut wie möglich auf den Neustart vorbereiten.

Als die Gastronomie dann wieder öffnen durfte, waren wir vom ersten Tag an dabei. Wir wollten Flagge zeigen, demonstrieren, dass wir wieder da sind. Obwohl die Umsatzeinbußen gewaltig sind, machen wir weiter. Ich habe den Laden erweitert, auf der neuen Fläche wollen wir unser Außerhausgeschäft unterbringen – mit einer Kühltheke und zwei bis drei Stehtischen. Hier wird es Fischbrötchen, Fish & Chips und Salate geben. In den kommenden Wochen wollen wir diesen Bereich eröffnen und so das Außer-Haus-Geschäft weiter vorantreiben.

Mein Tipp an andere Gastronominnen und Gastronomen: Sich nicht verkriechen, die laufenden Kosten auf ein Minimum reduzieren und mit allen im Gespräch bleiben – mit den Mitarbeitenden, Banken und Gläubigern. Für die Gastronomie ist vor allem jetzt das Außer-Haus-Geschäft wichtig. Deshalb würde ich anderen aus diesem Bereich empfehlen, umzudenken, flexibel zu sein und das To-Go-Business zu pushen.“

Gemeinsam stark: Martha’s Corner

Claudia Schreiber arbeitete als Wirtschaftsjuristin, als sie zufällig eine Dokumentation über die Folgen des Palmölanbaus sah. Sie begann zu recherchieren, wie sich Wasch- und Reinigungsmittel palmölfrei produzieren lassen. Aus dem Hobby wurde nach einigen Jahren ernst: 2018 gründete sie „Martha’s Corner“ in Findorff. In ihrem Laden verkauft die 52-Jährige handgemachte Seifen und Pflegeprodukte „ohne Firlefanz“. Das zweijährige Jubiläum ihres Ladens fiel ausgerechnet mitten in die Corona-Krise.

Claudia Schreiber, Gründerin von Marthas Corner (Quelle:Caroline Lehnigk )

“Geplant war, Prosecco zu ordern, um mit meinen Kunden am 31. März Jubiläum zu feiern. Dann mussten wir wegen Corona schließen und ich stand an diesem Tag ganz allein im Laden. Ich war kurz davor, mit mir selbst anzustoßen, habe die Flasche dann aber wieder weggestellt. Mir war einfach nicht nach Feiern zumute. Und zu tun hatte ich auch genug: Meine Mitarbeiterin und ich haben von heute auf morgen einen Lieferservice auf die Beine gestellt.

Nun haben wir wieder geöffnet und die Leute stehen geduldig vor dem Laden und warten, weil immer nur zwei auf einmal reindürfen. Ich hoffe, dass wir so durchkommen. Vor Corona hatte ich vor zu expandieren und damit beschäftige ich mich jetzt wieder intensiver. Ich bin auf der Suche nach einem alten Hof oder Landgasthaus in der Nähe von Bremen, auf dem ich leben und produzieren kann. Dann könnte ich auch das Kursangebot im Lädchen in Findorff vergrößern. Mit der Bank bin ich im Gespräch. Alles bewegt sich langsamer als vor der Krise, aber es geht vorwärts. Ich habe mir vorgenommen, nicht den Mut zu verlieren. So viel Liebe, so viel Begeisterung habe ich in den Laden gesteckt, das gebe ich nicht wieder her. Auch nicht für Corona.

Viele wollen gerade keine Hilfe in Anspruch nehmen, weil sie ja sonst auch immer alles allein geschafft haben. Dabei gibt es viele Möglichkeiten: Man kann sich ans Starthaus wenden, andere Selbständige um Rat fragen oder Finanzhilfen in Anspruch nehmen. Bei mir ist sogar mal die Nachbarschaft eingesprungen und hat geholfen, Tüten für einen Großauftrag zu packen. Mein Tipp lautet also: Scheut euch nicht davor, andere um Hilfe zu bitten. Es liegt schließlich nicht an euch, dass der Laden gerade nicht läuft.“

 

 

 

 


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