Die fünf Gesellschafter von gastronovi
27. Juni 2019

Wenn der Wirt die Rechnung macht

gastronovi feiert zehnjähriges Bestehen. Das ehemalige Startup aus Bremen hat deutschlandweit den Durchbruch geschafft – dank eines Geschäftsmodells, das bis heute keine Konkurrenten kennt.


Die Gastronomie-Branche hat so ihre Eigenheiten. Harte Arbeitsbedingungen, viele Trends, hohe Personalfluktuation und häufiges Scheitern der Betriebe. Digitalisierung steht daher bei vielen Gastronominnen und Gastronomen eher unten auf der Agenda.

Dabei könnte es ganz einfach sein. Kasse, Webseite, Reservierungssystem, Kalkulation, Einkauf – alles in einem System, miteinander verbunden und digital per Smartphone, Tablet oder am PC abrufbar. Wenn man heute einen Blick in deutsche Restaurants wirft, in denen vielfach nur Barzahlung möglich ist, könnte man meinen, das sei eine revolutionär neue Idee.
Dabei ist sie schon zehn Jahre alt. 2008 startete gastronovi in Bremen und ist heute auf 56 Angestellte gewachsen. Eine Erfolgsstory, die im Kleinen begann:

 

Unverhofft zum Komplettanbieter

„Eigentlich hatten wir gar nicht vor, ein komplettes Kassensystem zu bauen. Wir wollten einem benachbarten Gastronomen helfen, der Probleme bei der Erstellung seiner Speisekarte hatte“, erzählt Bartek Kaznowski, Vertriebsleiter bei gastronovi. „Dann hat es sich so ergeben und heute sind wir ein Full-Service-Anbieter für die Gastronomie mit einem modularen Komplettsystem, aus dem sich der Gastronom seine individuell passende Lösung zusammenstellen kann.“

Eine Frau am gastronovi Kassensystem
Neben der Restaurantleitung profitiert auch das Personal von den vollintegrierten Abläufen innerhalb des gastronovi-Systems © gastronovi

Ursprünglich wollte das vierköpfige Gründerteam eine digitale Anbindung an bestehende Kassensysteme bekannter Hersteller ermöglichen. „In Berlin haben wir uns mit mehreren Kassenherstellern getroffen, doch von denen war keiner bereit, mit uns zusammenzuarbeiten“, so Geschäftsführer Andreas Jonderko. „Die haben damals alle sehr kurzfristig gedacht. Aber für uns war es das Beste, was uns hätte passieren können. Denn das hat dazu geführt, dass wir die Kasse, unser absolutes Zugpferd, selbst entwickelt haben.“

Heute stattet das Unternehmen Restaurants, Bars, Clubs, Imbisse und Hotels mit Software aus, die alle Geschäftsbereiche verbindet, einfach zu bedienen ist und auf Smartphones, Tablets sowie PCs läuft. Und auch die passende Hardware und professionellen Service erhalten die Kunden.

 

Wichtige Lehren aus der Gründungsphase gezogen

Immer wieder die eigenen Vorstellungen über den Haufen zu werfen, auf Kundenbedürfnisse einzugehen – ein roter Faden, der sich durch die Gründungsstory zieht. „Wir haben gedacht, die Lösung wird quasi von alleine laufen. Das funktioniert natürlich nicht im Bereich der Business-Software. Da muss man sich auch um die Dienstleistung und die Begleitung kümmern“, erinnert sich auch Christian Jaentsch, Entwicklungsleiter im Unternehmen.
Gastronovi setzt auf ein Mietmodell, Kunden können die verschiedenen Module monatlich oder jährlich zu- oder abbestellen. Das erfordert intensiven Kundenkontakt, eine gute Betreuung sowie eine hohe Qualität des Produkts.

 

Vom Know-how anderer profitieren

Profitiert haben die vier Gründer auch vom Coachingprogramm des Starthauses, damals noch unter dem Namen BRUT bekannt. „Den Tipp, uns dort zu bewerben, erhielten wir durch Freunde und Professoren an der Hochschule. Die Teilnahme am Programm hat sich für uns mehr als gelohnt“, so Andreas Jonderko rückblickend. Bereits im Vorfeld war das Team durch das EXIST-Gründerstipendium, das Gründungen aus den Bremer Hochschulen unterstützt, gefördert worden.

Neben den Grundlagen unternehmerischen Handelns erinnern sich die Gründer gerne an den regen Austausch zwischen den Programmteilnehmenden, alle mit einer eigenen anderen Idee, aber ganz ähnlichen Problemen. Außerdem sei die Verpflichtung, sich auch mit den weniger aufregenden Seiten einer Unternehmensgründung auseinanderzusetzen – ob Businessplan, Steuern oder Buchhaltung – sehr hilfreich gewesen.

„Das Wichtigste war jedoch die Sicherheit zu wissen, dass man so gut wie möglich auf den steinigen Weg vorbereitet ist. Und einen Überblick zu haben über die wichtigsten Themen wie rechtliche Vorgaben, Gesetzeslagen, Stärken und Schwächen des Teams und des Produkts“, bestätigt auch Karl Jonderko, vierter Gründer des Unternehmens.

Die Produkte von gastronovi
Die einzelnen Module des Systems decken alle Einsatzzwecke im Betrieb ab © gastronovi

Erst am Anfang der Reise

Dass es mit der Erfolgsstory weitergeht, da sind sich die vier einig. 2016 gewannen sie den KfW Award GründerChampion, 2017 gingen sie eine wichtige, strategische Partnerschaft mit Transgourmet ein, einem renommierten Großhändler im Gastronomiebereich. Und auch im Gewerbe selbst entwickelt sich ein Trend: „Momentan erleben wir einen Wechsel, die Digitalisierung liegt klar im Trend. Vor zehn Jahren war das kaum ein Begriff“, so Andreas Jonderko.

Die ganze Geschichte der Gründung von gastronovi, von Höhen und Tiefen sowie eine Antwort auf die Frage, ob die Gründer heute noch entspannt in ein Restaurant einkehren können, erfahrt Ihr im aktuellen Blogeintrag des Unternehmens.


An einer Gründung oder an Wachstum Deines jungen Unternehmens interessiert? Schreib uns gern eine Mail an info@starthaus-bremen.de oder rufe uns unter +49 (0) 421 9600 372 an, wenn Du Fragen zu Deiner Gründung(sidee) hast oder Unterstützung wünschst. Wir haben die Antworten!

 

Foto oben: Das Führungsteam (v.l.n.r.): Karl Jonderko, Andreas Jonderko (oben), Bartek Kaznowski (unten), Chris Jaentsch, Roman Gramse © gastronovi