Herr Odens am Tresen seiner Buchhandlung
12. April 2019

Schmökern im Buntentor

In der heutigen Zeit noch einen Buchladen aufmachen? Dazu gehört eine große Portion Mut. Mit der richtigen Planung kann es aber funktionieren – wie Sven Odens mit seiner „Buchhandlung Buntentor“ beweist.

 

Als Sven Odens 2016 die Idee seinem Bankberater vorstellt, hat der nur ein müdes Lächeln für ihn übrig. Eine Buchhandlung aufmachen in einer Zeit, in der Amazon floriert und die Umsätze und Käuferzahlen im stationären Buchmarkt seit Jahren sinken? Wie soll das funktionieren? Nicht mit ihm – der Bankkaufmann lehnt ab.

Wenn Odens diese Geschichte heute in seinem kleinen Laden erzählt, muss er lachen. Denn in den vergangenen drei Jahren hat sich seine „Buchhandlung Buntentor“ hervorragend entwickelt, allen Widerständen zum Trotz.

 

Gut geplant ist halb gewonnen

Odens weiß, was er tut. Der 40-Jährige hat lange Jahre im Buchhandel gearbeitet und kennt die Branche. Und er kennt seine „Hood“. Der gebürtige Ostfriese lebt im Stadtteil Neustadt – und hier hat er auch seine Buchhandlung eröffnet. „Hier im Ortsteil Buntentor gab es noch kein Buchgeschäft. Als ich 2016 das leerstehende Lokal gesehen habe, wusste ich, das ist das richtige“, erklärt der gelernte Buchhändler und Volkswirt.

Sein wirtschaftlicher Hintergrund dringt immer wieder durch – Odens plant seine Idee von Anfang an gut durch. „Die Buchhandlung liegt optimal an einer Straßenbahnhaltestellte, ist gut zu erreichen. In der Nähe gibt es Schulen, Kindergärten, mit der Schwankhalle und dem Schnürschuh-Theater Kultur und Laufkundschaft“, zählt er die Vorteile auf.

 

Ideal im Ortsteil gelegen: Die Buchhandlung Buntentor © Starthaus/Raveling

Bücher auf Rezept

Von einem unabhängigen Experten lässt er seine Idee und seinen Businessplan gegenchecken, eine zweite Meinung ist ihm wichtig. Und nach der Absage seiner Hausbank führt ihn sein Weg zur BAB – Die Förderbank für Bremen und Bremerhaven, die ihm einen Mikrokredit zusagt. „Der intensive Austausch mit der BAB hat mich weitergebracht, ich konnte mein Pläne schärfen und so ein stimmiges Gesamtkonzept entwerfen.“

Ende 2016 ist es dann soweit und die Buchhandlung öffnet. Obwohl der Verkaufsraum relativ klein ist, wirkt er hell und einladend und führt Besucherinnen und Besucher durch ein komplettes Sortiment, ob Kinderbuch, Roman, Krimi oder Sachliteratur. Ganz besonderer Hingucker ist der riesige Apothekerschrank, der noch aus der Zeit stammt, im dem hier ein Drogerieladen geführt wurde. Selbst die Originalbeschriftung prangt noch auf den Schubläden.

„Ich wollte eine Buchhandlung, in der es für jeden etwas gibt“, erklärt Odens sein Konzept, „derzeit läuft vor allem die Belletristik gut, aber auch das Kinderbuchsegment habe ich in den vergangenen Jahren ausgebaut.“

 

Die Lust am Lesen

Schafft es ein selbstständiger Buchhändler eigentlich, alles zu lesen, was er in die Regale stellt? Odens schmunzelt. „Nein, das ist völlig unmöglich, ich muss ja auch noch Verwaltung, Buchhaltung und Bestellungen organisieren“, führt er aus. Gut belesen ist er aber dennoch – wenn eine neue Lieferung ankommt, liebt er es, zumindest ein paar Seiten des neusten Beststellers anzuschmökern. „Dank meiner Erfahrung kann ich meinen Kundinnen und Kunden immer etwas Passendes empfehlen, das macht mir viel Spaß!“

Für einen nimmt sich Odens aber gerne noch etwas Extrazeit heraus: Juan Gabriel Vásquez. Der Kolumbianer gehört zu den Lieblingsschriftstellern des Bremer Buchhändlers und sein neuestes Buch „Die Gestalt der Ruinen“ begeistert Odens auf ein Neues.

 

Hell und einladend gestaltet: Der kleine Laden lädt zum Schmökern ein © Starthaus/Raveling

 

Onlineboom, Erlebnisort und Laufkundschaft

Mittlerweile beschäftigt er eine Teilzeitkraft, kann sich aber vorstellen, in Zukunft noch weitere Arbeitskräfte einzustellen. Denn er würde gern sein Engagement „außer Haus“ ausbauen. „Ich biete etwa Büchertische an, wenn Autoren in die Schwankhalle nebenan kommen oder beteilige mich an Veranstaltungen im Stadtteil“, berichtet er. Grundschulen unterstützt er mit einer Aktion „Lesetüte“, in der Kinder sich nach etwas Bastelarbeit ein Buch abholen können.

Trotz der Konkurrenz durch den Onlinehandel sieht er die Zukunft seines Buchgeschäfts positiv. „Die Neustadt boomt und ist zum Trendviertel geworden. Auch der Buntentorsteinweg profitiert von dieser Entwicklung, hier kommt man vorbei“, ist er überzeugt, „zudem können wir alle Bücher innerhalb eines Tages bestellen, über unser Internetportal entweder hier in den Laden oder direkt nach Hause – wir können mit Amazon konkurrieren.“

Nach drei Jahren ist sich Odens sicher: Mit der Buchhandlung hat er genau die richtige Entscheidung getroffen. Anderen Gründerinnen und Gründern empfiehlt er daher, es ähnlich zu halten: Einen Blick von außen zulassen, eine zweite Meinung einholen, gut zu planen und Leidenschaft mit Verstand zu kombinieren.


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Bild oben: Kennt die neusten Besteller – und Geheimtipps: Sven Odens © Starthaus/Raveling