Zwei Frauen arbeiten an dem White Board
22. April 2021

Welches Geschäftsmodell ist das Richtige für euer Social Startup?

Ihr möchtet tiefer in die Thematik Social Startup einsteigen und fragt euch, welches Geschäftsmodell für euch das Richtige ist? In diesem Artikel stellen wir euch mögliche Wege vor und geben anhand von Beispielen nützliche Tipps für eure Gründung.

In unserem Artikel „Wie gründe ich ein Sozialunternehmen“ haben wir euch die grundlegenden Infos zum Start im Bereich Social Entrepreneurship vorgestellt. Angelehnt an den Workshop, der im Rahmen unseres Programms Social Entrepreneur by Starthaus stattfindet, steigen wir tiefer in die Thematik ein und stellen mögliche Geschäftsmodelle und ihre Merkmale für Social Startups gegenüber.

Um zu prüfen, welches Geschäftsmodell für das eigene Unternehmen geeignet ist, muss man die Unterschiede verstehen. Ein Geschäftsmodell beschreibt im klassischen Sinne die Funktionsweise eines Unternehmens und wie es Gewinne erwirtschaftet. Als Funktionsweise werden auch der Nutzen für Kund:innen oder Geschäftspartner:innen und der Ertrag definiert.

 

Geschäftsmodelle für Social Startups definieren

Im Social Entrepreneurship ist die klassische Definition insofern abzuwandeln, als dass sich ein soziales Geschäftsmodell auf die Lösung eines gesellschaftlichen Problems bezieht. Der wirtschaftliche Gewinn ist für das Unternehmen nie die Motivation. Dafür steht der gesellschaftliche, soziale und/oder ökologische Nutzen im Vordergrund. Im sozialen Sektor unterscheidet man zwischen zwei wesentlichen Geschäftsmodellen, die sich auf die Beschaffungsweise finanzieller Mittel beziehen: Es gibt das marktorientierte und das gesellschaftsorientiere Modell.

Die Grundlage für die Wahl einer Finanzierungsmöglichkeit ist die sorgfältige Ausarbeitung eines zunächst hypothetischen Gerüsts des gesamten Geschäftsmodells. Ein geeignetes Tool hierfür ist das Social Business Model Canvas, in dem unter anderem Partner:innen, Aktivitäten, benötigte Ressourcen und der alles untermauernde Wert der Unternehmung abgebildet werden. Mit der Aufschlüsselung dieser Pfeiler können nächste Schritte im Gründungsprozess planbar gemacht werden – so auch die Finanzierungsmöglichkeiten, die in Frage kommen. Wenn beispielsweise das Werteversprechen eines Social Startups definiert ist, lässt sich daraus ablesen, wer davon profitiert und auch, wer bereit sein könnte, finanzielle Mittel für die Realisierung aufzubringen. Dieser Schritt kann auch als Zielgruppendefinition bezeichnet werden.

 

Social Business Model Canvas
Social Business Model Canvas des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

 

Social Entrepreneurship-Modell (gesellschaftsorientiert)

Das Social Entrepreneurship-Modell organisiert sich über die gesellschaftliche Finanzierung. Das heißt, es wird kein Umsatz über den Markt, beispielweise durch den Verkauf eines Produkts generiert, sondern finanzielle Mittel werden für den guten Zweck über Ressourcen von Dritten eingeholt. Dieses Modell bringt den sogenannten „doppelten Kunden“ mit sich. Auf der einen Seite steht die Personengruppe, die die Leistung in Anspruch nimmt. Auf der anderen Seite gibt es die Dritten, also die Organisationen, die für die Leistung bezahlen.

Wer sind Dritte?

  • Förderprogramme des Bunds und der Länder: Eine Möglichkeit ist, sich auf deutschlandweite Förderungen für Sozialunternehmen oder solche im eigenen Bundesland zu bewerben. In der Regel haben Bund und Länder jährliche Fördersummen, die für die Unterstützung sozialer und ökologischer Ziele bereitgestellt werden.
  • Banken: Für eine Starthilfe oder eine Finanzierung eines bestimmten Teils des Geschäftsmodells können (Mikro-) Kredite von Banken wertvolle Unterstützung bieten. Bei klassischen und sozialen Gründungen steht dafür in Bremen unter anderem das Starthaus, ein Segment der BAB – die Förderbank für Bremen und Bremerhaven zur Verfügung.
  • Stiftungen: Förderstiftungen entwerfen Grundsätze, in denen sie definieren, welche Zielsetzung sie haben, welche Grundsätze diese Ziele voraussetzen und verbessern damit den Auswahl- und Wertungsprozess von eingehenden Anträgen. Im Umkehrschluss heißt dies für Organisationen, dass es vor allem wichtig ist, das eigene Angebot und den Zweck im Antrag so präzise wie möglich zu definieren und zu beschreiben.
  • Investoren & Fonds: Neben den vom Bund und der EU bereitgestellten Finanzierungsfonds (z.B. EFRE) gibt es zahlreiche Investor:innen, die sich auf Startups aus dem Social Entrepreneurship fokussieren. Auch hier gilt es in Vorbereitung den Zweck und das Geschäftsmodell rund um die Finanzierung klar darlegen zu können, um eventuelle Geldgeber:innen zu überzeugen.
  • Business Angels: Social Business Angels sind meist Personen, die mit Know-how, Coaching oder auch finanziellen Mitteln einen Beitrag zur Realisierung auserwählter Social Startups beitragen. Es ist sinnvoll, bei der Recherche nach geeigneten Unterstützer:innen darauf zu achten, dass sie einen persönlichen Bezug zur Thematik haben, mit dem sich das eigene Social Startup befasst.
  • Crowdfunding/Fundraising: Beim Crowdfunding liegt der Fokus auf der Masse der Spender:innen. Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich zu erreichen, die erwartungsgemäß einen eher kleinen Spendenbetrag leisten werden. Für Spenden werden hierbei Gegenleistungen, wie zum Beispiel kleine Produkte als Dankeschön erbracht. Das Crowdfunding funktioniert über verschiedene Plattformen wie zum Beispiel Startnext. Auch das Starthaus Bremen bietet euch die Möglichkeit ins Crowdfunding einzusteigen. Wer hier mehr erfahren will und von der Social Mission Possible profitieren will, kann sich bei einem unserer Workshops oder hier informieren.

 

Social Business-Modell (marktorientiert)

Das Modell, das durch marktorientiertes Handeln finanzielle Mittel aufbringt, umfasst verschiedene Möglichkeiten zur Umsetzung. Die Wahl der Strategie ist auch hier wieder abhängig von der zuvor definierte Zielgruppe, dem Wert und weiteren Faktoren, die im Social Business Model Canvas festgelegt wurden. Der wesentliche Unterschied zum Social Entrepreneurship Modell ist, dass die Strategie eine Teilnahme am Markt vorsieht. Ob mit einem Produkt oder einer Dienstleistung hängt ganz von dem gesellschaftlichen Problem, das gelöst werden soll, und der Idee zur Herangehensweise der Gründer:innen ab.

Wie im Artikel „Wie gründe ich ein Sozialunternehmen“ beschrieben, unterteilen sich die Social Business Modelle in diese Kategorien:

  • Überlegene Benachteiligung: Bei diesem Social Business-Modell sollen die besonderen Kompetenzen einer benachteiligten Zielgruppe am Markt genutzt werden.
    • Beispiele: Dialog im Dunkeln, Discovering Hands
    • Wertversprechen: Integration und Chancen schaffen für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt eine benachteiligte Position innehaben
    • Erfolgsfaktor: Erkennen der überlegenen Fähigkeiten dieser Menschen, Marknische ausfindig machen

 

  • Regionale Wertschöpfung: Regionale Produzent:innen vermarkten hierbei ihre Produkte, abgestimmt auf die Bedarfe der Verbraucher:innen.
      • Beispiele: Hamburger Frischepost, Marktschwärmer
      • Wertversprechen: Verbraucher:innen profitieren von der durch die Nähe zum Produkt entstehenden Transparenz, Förderung der regionalen Marktwirtschaft.
      • Erfolgsfaktor: Erkennen der Marktnische in der eigenen Region, Charakteristika der Region gut einschätzen können

 

  • Kooperative Wertschöpfung: Eine Shared Economy soll durch kooperative Strukturen entwickelt werden.
    • Beispiele: Wikipedia, Car-Sharing, Couch-Surfing
    • Wertversprechen: Durch die Kooperation weniger Menschen ergibt sich ein potenzierter Vorteil vieler Menschen.
    • Erfolgsfaktor: Bedarfe auf dem Markt erkennen, bei denen eine solche Kooperation einen Nutzen für so viele Menschen wie möglich bietet

 

  • Nachhaltige Wertschöpfung: Emissionen, Verpackung, Transport und weitere negative Umweltauswirkungen der Wertschöpfungskette werden reduziert.
    • Beispiele: Original unverpackt, Soulbottles
    • Wertversprechen: Mit der nachhaltigen Wertschöpfung werden umweltschädliche Stoffe dem wirtschaftlichen Kreislauf entnommen.
    • Erfolgsfaktor: Alternativen finden, die tatsächlich nachhaltig sind und dessen Handling die Dienstleistung/das Produkt dabei nicht wesentlich komplizierter macht

 

  • Re-/Up-Cycling: Bei diesem Social Business Modell werden neue Produkte aus Müll und anderen Abfallprodukten erschaffen.
    • Beispiele: Freitag Taschen, Restlos Glücklich
    • Wertversprechen: Aus Abfallprodukten werden Produkte, die oft losgelöst von ihrem Ursprung eine ganz eigene, hochwertige Marke abbilden können
    • Erfolgsfaktor: Mit Kreativität die Nützlichkeit von Abfallprodukten in einem anderen Kontext sehen

 

  • Ressourcen für Social Impact: Durch die eigene unternehmerische Tätigkeit werden Ressourcen (in Form von Geld, Produkten oder Dienstleistungen) für den guten Zweck zur Verfügung gestellt.
    • Beispiele: Viva con Agua, Quartiermeister
    • Wertversprechen: Der Zweck des Produkts/der Dienstleistung ist ganz klar der Unterstützung eines oder mehrerer sozialer Projekte zuzuordnen.
    • Erfolgsfaktor: Ein hinreichendes Marketingkonzept, dass die Verbindung zwischen Angebot und sozialer Komponente immer wieder deutlich macht.

 

  • Inklusionsunternehmen: Es sollen Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen geschaffen werden, die körperlich oder psychisch Unterstützungsbedarfe haben.
    • Beispiele: Pegasus, Ausbildungsrestaurants
    • Wertversprechen: Qualitativ hochwertige Produkte entstehen durch inklusive Zusammenarbeit.
    • Erfolgsfaktor: Inklusion als Bestandteil des Marktes verstehen und anwenden können

 

Die Möglichkeiten und Wege des eigenen Geschäftsmodells sind also zahlreich. Wichtig ist, einen Schritt nach dem anderen zu gehen, um auf dem Weg der Gründung nicht von den vielen Abzweigungsmöglichkeiten irritiert zu werden und ein valides Modell für die eigene Idee aufbauen zu können.


Wenn auch ihr eine Gründungsidee habt, die sozial oder ökologisch nachhaltig ist, und ihr etwas bewirken wollt, dann meldet euch gleich bei uns. Wir bieten mit unserem Programm Social Entrepreneur by Starthaus genau die Bausteine an, die ihr für euren Erfolg benötigt. Alle Informationen zu Social Entrepreneur by Starthaus findet ihr hier.